CHAKO: Upcycling auf Sansibar

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Sansibar steht für Strand, Palmen, Sonne und Meer. An Müll und Armut denkt kaum jemand. Beides will CHAKO reduzieren. Das Fair-Trade-Unternehmen macht aus dem Altglas der Touristen stylische Glasartikel und schafft so Arbeitsplätze für junge Sansibari.

„Sollen wir einen südafrikanischen Merlot, einen Gin Tonic oder ein Kilimanjaro Lager trinken?“ Selbst im Urlaubsparadies muss man Entscheidungen treffen, wie wir vor ein paar Wochen auf Sansibar. Die traumhafte Inselgruppe gehört zu Tansania und ist eines der beliebtesten Reiseziele der Welt. Man kann an perlweißen Sandstränden relaxen, im türkisblauen Meer schnorcheln und sich vom 1001-Nacht-Flair in Stone Towns engen Gassen verzaubern lassen. Jedes Jahr besuchen 500.000 Menschen den kleinen Archipel und sie trinken gerne Wein, Cocktails und Bier. In coolen Kneipen, schicken Restaurants und All-Inclusive-Strandresorts werden täglich braune, grüne, blaue und weiße Alkoholflaschen geleert, die dann im Meer, am Straßenrand oder auf Sansibars Müllhalde landen. Die Altglasflut ist gigantisch und hier kommt CHAKO ins Spiel! Das kleine Unternehmen produziert aus dem Müll der Touristen Lampen, Wasserkaraffen, Trink- und Aufbewahrungsgläser und schafft so Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung.

Upcycled – Uplifted

Über die Hälfte der Sansibari lebt unterhalb der Armutsgrenze, wenngleich der Tourismus jährlich mehrere Milliarden US-Dollar auf den Archipel spült. Das große Geld verdienen Europäer, US-Amerikanerinnen und reiche Afrikaner, denen die meisten Unterkünfte, Tauchzentren und Souvenirshops gehören. Zwar arbeiten viele Einheimische im Tourismus, sie erhalten aber so wenig Lohn, dass sie kaum davon leben können. „Abfall und Armut sind auf Sansibar weit verbreitet und es ist unser Ziel, beides zu reduzieren“, erzählte uns Suleiman Ali Mohamed. Er ist ein Sansibari und hat 2012 gemeinsam mit seiner holländischen Ehefrau Anneloes Roelandschap CHAKO gegründet. Die beiden haben uns auf dem stylischen CHAKO-Werkstattgelände empfangen, auf dem sich leere Alkoholflaschen unterschiedlicher Couleur türmen. „Wir arbeiten mit Hotels und Resorts auf der ganzen Insel zusammen. Von ihnen erhalten wir das Altglas und wir gehen auch auf die Müllhalde. Pro Jahr sammeln und upcyclen wir über zwei Millionen Flaschen. Das ist zwar nicht alles Altglas, das auf Sansibar anfällt, aber wir leisten einen wichtigen Beitrag zur Verkleinerung der Müllberge“, so Anneloes.

Guter Lohn

Bei CHAKO arbeiten 30 junge Erwachsene und eine ist Zaitun Mohd Bakari. Konzentriert ritzt sie mit einem Glasschneider Bruchstellen in gereinigte Weinflaschen, bevor sie diese so lange über einer Kerze erhitzt, bis sie brechen. Nun müssen die Bruchkanten nur noch geschmirgelt werden und fertig sind flaschengrüne Trinkgläser. Anders als Trinkgläser benötigen Aufbewahrungsgläser einen Verschluss und hier sind die Fertigkeiten von Ali Khamisi Masoud gefragt. Er hat sich auf Holzarbeiten spezialisiert und drechselt aus heimischem Mninga-Holz kunstvoll verzierte Deckel. Zaitun und Ali mögen ihren Job sehr gerne und schätzen vor allem die coole Arbeitsatmosphäre bei CHAKO und das sichere Einkommen. Die Bezahlung erfolgt auf Stücklohnbasis, die ein Einkommen ermöglicht, das über dem tansanischen Mindestlohn liegt. Darüber hinaus erhalten die CHAKO-Mitarbeitenden Fortbildungen, kostenlosen Transport zur Arbeitsstätte, täglich ein freies Mittagessen und die Kostenübernahme bei Arztrechnungen.

Tourist2Tourist

„CHAKO hat sich den Grundsätzen des Fairen Handels verschrieben und ist seit 2017 anerkanntes Mitglied der World Fair Trade Organization. Wir haben dem Fairen Handel einiges zu verdanken, so zum Beispiel dass wir mit Mark Kwami in Kontakt kamen. Er ist ein Deutsch-Ghanaer und hilft uns mit den Designs. Außerdem konnten wir in den Export einsteigen und generieren nun über 50 Prozent unseres Umsatzes im Ausland. Unsere Upcycling-Glaswaren kann man in Holland, Österreich, Norwegen, Belgien, Luxemburg und auch bei euch in Deutschland kaufen,“ begeisterte sich Suleiman. Auch wir finden das toll, sind aber vor allem fasziniert, dass CHAKO auf Sansibar gegenwärtig ist: In Souvenirshops können Touristinnen CHAKO-Mitbringsel kaufen, die aus Touristenmüll hergestellt wurden. Und in Restaurants lassen Kellner stilles Wasser aus CHAKO-Karaffen in CHAKO-Gläser fließen, die auf stilvoll gedeckten Tischen sehr schön neben filigranen Wein-, Cocktail- und Biergläsern aussehen.

Reduce – Reuse – Recycle

„Uns ist die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern auf Sansibar sehr wichtig, nicht nur wegen des Umsatzes, sondern auch, um sie für die Müllproblematik zu sensibilisieren. Wie kann ich Müll vermeiden? Wie trenne ich Müll richtig? Wie kann man Müll recyclen? Und wie kann ich etwas Neues aus Müll gestalten? Über solche Fragen sprechen wir mit Hoteliers, Restaurantbesitzerinnen, Kindern und Jugendlichen. Ich gehe nämlich regelmäßig in Schulen und mache Bewusstseinsbildung für Umweltschutz.“ Anneloes überreichte uns drei upgecycelte Weinflaschen und fuhr fort: „CHAKO ist Suaheli und bedeutet deines beziehungsweise eures. Die Gläser dürft ihr mit nach Deutschland nehmen und sie sollen euch an uns erinnern.“ Das tun sie! Wir nutzen sie gerne und man kann aus ihnen nicht nur Wasser trinken, sondern auch Wein, Cocktails und Bier!

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