Bio-Milch: Fairer Handel wirkt auch in Deutschland!

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In Deutschland geben viele Milchbauern ihre Höfe auf, weil der Preis, den sie für ihre Milch erhalten, unter den Produktionskosten liegt. Bei Friedi und Hans Praxenthaler ist das anders, denn ihre Milch ist Naturland Fair zertifiziert. Der Öko-Verband hat den Gedanken des Fairen Handels auf den Norden ausgeweitet und garantiert mit seinem Siegel weltweit die Bezahlung existenzsichernder Erzeugerpreise.

Im Juni 2019 haben wir etwas für uns ganz Außergewöhnliches gemacht. Wir waren bei einer deutschen Kleinbauernfamilie zu Gast! Friedi und Hans Praxenthaler leben im Rupertiwinkel und produzieren Bio-Milch für die Molkerei Berchtesgadener Land. Wir durften einen kompletten Arbeitstag mit den sympathischen, energiegeladenen Eheleuten verbringen, was bedeutete, dass wir in aller Herrgottsfrühe aufstehen mussten. Milchkühe müssen jeden Morgen und jeden Abend gemolken werden. 365 Tage im Jahr.

Auf Praxenthalers Hof wird viel Wert auf das Tierwohl gelegt

„Der Geschmack in der Milch kommt in erster Linie vom Futter und vom Wohlbefinden. Wenn die Kühe ein ruhiges Leben führen, sind keine Stresshormone in der Milch“, erklärte uns Hans, während er liebevoll Kuh Flora den Kopf tätschelte. „Wir haben 25 Milchkühe. Jede hat einen Namen und ihren eigenen Charakter. Ich mag die Viecher. Sie sind neugierig und lassen sich gerne streicheln,“ so unser 55-jähriger Gastgeber. Das Tierwohl wird auf Praxenthalers Hof groß geschrieben, denn er ist Naturland zertifiziert. Das bedeutet zum einen, dass der gesamte Betrieb ohne Gentechnik ökologisch bewirtschaftet wird und der Großteil des Viehfutters aus eigenem Anbau stammt. Zum anderen ist gewährleistet, dass die Tiere genügend Platz und Auslauf haben, weshalb Praxenthalers Kühe auf der Weide grasen dürfen und es im Stall für sie Fress- und Liegeflächen, einen Kälberlaufstall und Melkstand gibt.

Hans behandelt die Kühe homöopathisch

Friedi und Hans melken täglich ab 6:00 Uhr ihre Kühe, bevor sie sie mit selbstgemachtem Heu, Grassilage und etwas Kraftfutter füttern. Als wir da waren, verabreichte Hans Kuh Fritzi fünf Globuli Phytolacca, um ihr entzündetes Euter zu kurieren. Außerdem sprühte er auf die verletzte Klaue von Kuh Astrid KlauSan®-Spray, ein ebenfalls antibiotikafreies, pflanzliches Arzneimittel. „Anfangs war ich skeptisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Homöopathie bei so großen Viechern wie Kühen wirkt. Trotzdem habe ich an Homöopathie-Kursen der Molkerei Berchtesgadener Land teilgenommen und ich habe viele positive Erfahrungen gemacht. Zwischenzeitlich erkenne und behandle ich die meisten Erkrankungen selbst. Der Tierarzt kommt nur noch selten auf unseren Hof. Wir haben sehr geringe Tierarztkosten“, ließ uns Hans auf Holz klopfend wissen: „Außerdem geben wir unseren Kühen naturbelassenen Salzstein aus dem Bergwerk Berchtesgaden zum Lecken. Auch das hat uns die Molkerei empfohlen, um Mangelerscheinungen vorzubeugen und die Milchqualität zu verbessern. Kommt, jetzt müssen wir die Kühe noch auf die Weide treiben. Dort steht ein großer Lecksalzstein. Den zeige ich Euch und dann frühstücken wir endlich!“

Friedi baut zum Eigenbedarf Obst und Gemüse an

Erst wenn ihr Fleckvieh versorgt ist, gibt es bei den Praxenthalers allmorgendlich gegen 8:30 Uhr Frühstück. Danach erledigen sie Arbeiten, die anstehen: Äcker bestellen, Heu einbringen, den Stall ausmisten, einer Kuh beim Kalben helfen, irgendetwas reparieren. Und an manchen Tagen schafft Hans außerhalb: „Wir sind Zuerwerbslandwirte. Etwa Dreiviertel unserer Einkünfte kommen aus der Milchwirtschaft. Ich bin freiberuflich bei einem Holzunternehmer tätig und ich mache auf 450 Euro Basis Melkanlagenmontage. Außerdem schreinere ich als freischaffender Künstler Vollholzböden und ich bin Öko-Jäger und Öko-Imker.“ Um den Haushalt, die Hühner und den Gemüsegarten dagegen kümmert sich Friedi. Sie baut zum Eigenbedarf Bohnen, Tomaten, Kartoffeln, Gurken, Erdbeeren, Weintrauben und Kirschen an. Einen Teil der Ernte friert und dünstet sie für den Winter ein. Praxenthalers könnten von dem, was sie selbst produzieren, leben. Für uns Städter ist das unvorstellbar und wir sind voller Respekt!

Kühe müssen zweimal täglich gemolken werden – da ist Reisen kaum möglich

„Wir haben drei erwachsene Töchter. Allen gefällt der Betrieb. Er steht gut da. Wir haben keine Schulden, aber ob ihn eine mal übernehmen wird, steht leider noch in den Sternen“, erzählte uns Hans ein bisschen traurig, aber auch verständnisvoll. Die Arbeit auf dem Hof ist körperlich anstrengend. Es gibt keinen Feierabend und Urlaub machen ist kaum möglich. Melkt man Milchkühe nicht alle zwölf Stunden, haben sie Schmerzen und werden unruhig. Und so erwarten Praxenthalers Kühe tagtäglich, um 17:00 Uhr in den Melkstand gelassen zu werden. Darin stülpt Friedi Melkbecher über die Zitzen der Kühe, so dass die Melkmaschine die Milch direkt von den Eutern über Rohrleitungen in den Milchtank pumpen kann. Damit Kühe Milch geben, müssen sie jedes Jahr ein Kälbchen gebären. Den männlichen Nachwuchs verkaufen die Praxenthalers auf dem Kälbermarkt in Traunstein an Bio-Rindfleischbauern und die weiblichen Kälbchen sind ihre Milchkühe von morgen. Eine Öko-Kuh gibt am Tag etwa 20 Liter Milch. Verglichen mit einer konventionellen Hochleistungskuh ist das wenig, denn die liefert täglich 50 Liter der weißen, leicht süßen und fetthaltigen Flüssigkeit!

Die Molkerei Berchtesgadener Land bezahlt einen fairen Milchpreis

Friedis und Hans Bio-Milch wird alle zwei Tage von einem Tankwagen der Genossenschaftsmolkerei Berchtesgadener Land abgeholt. Die beiden sind Genossenschaftler und freuen sich, dass die Molkerei ihren rund 1.700 Mitgliedern einen überdurchschnittlich hohen Milchpreis bezahlt. Dass das so ist, erkennen Verbraucher am Naturland Fair Siegel, das die Bio-Produkte der Molkerei Berchtesgadener Land ziert. Die Zertifizierung garantiert nicht nur einen existenzsichernden Erzeugerpreis, sondern auch Schulungen wie Homöopathie-Kurse für die Landwirte, ein respektvolles Miteinander und die Einhaltung von Sozialstandards. Davon profitieren auch die Molkerei-Angestellten, denn sie haben einen sicheren, guten Arbeitsplatz und eine faire Bezahlung.

Öko-faire Milch aus dem Norden trifft öko-fairen Kakao aus dem Süden

Wir hatten die Gelegenheit, die Molkerei in Piding zu besichtigen. In dem supermodernen Betrieb werden auf edelstahl-sterilen Arbeitsstraßen umweltfreundlich verpackte Milchdrinks, Fruchtjoghurts und Quarkspezialitäten produziert. Wenn mehrere Rohstoffe in ein Naturland Fair zertifiziertes Produkt eingehen, müssen alle aus Fairem Handel stammen. Das gilt für Milch aus dem Norden gleichermaßen wie für Kakao, Rohrzucker und Obst aus dem Süden. Und so arbeitet die bayrische Molkerei mit Naturland Fair Partnern in Lateinamerika und Asien zusammen. Bei Zweien waren wir bereits zu Gast: beim Kleinbauernverband Manduvira in Paraguay, der Rohrzucker produziert, und beim Bananen-Kleinbauernverband UROCAL in Ecuador. Die Molkerei Berchtesgadener Land bringt aber nicht nur eigene bio-faire Milchprodukte wie Schokomilch und Bananenjoghurt auf den Markt, sondern ist auch Rohstofflieferant der GEPA. Europas größte Fair-Handels-Organisation stellt nämlich ihre Fair-Trade-Schokoladen mit Naturland fair zertifizierter Milch aus dem Berchtesgadener Land her!

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