EL CEIBO: Ein bolivianischer Kakao-Kleinbauernverband der Superlative

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EL CEIBO brachte den weltweit ersten bio-zertifizierten Kakao auf den Markt. Mit Kakaobohnen von EL CEIBO wurde die erste Fair-Trade-Schokolade der Welt hergestellt. Die EL CEIBO Fabrik in Bolivien war die weltweit erste Kakaoverarbeitungs- und Schokoladenproduktionsstätte, die Kleinbauern gehört. EL CEIBOs Erfolg ist legendär!

Immer wenn wir in Bolivien sind, naschen wir voller Genuss Schokoladiges von EL CEIBO: feinherbe Salz-Schokolade, Quinoa-Schokoriegel, mit Vollmilchschokolade überzogene Erdnüsse und in Weißer Schokolade gebadete Rosinen. Die Vielfalt ist unglaublich und alle Schokowaren werden in Bolivien vom Kleinbauernverband EL CEIBO hergestellt. Dass Kleinbauern nicht ihren gesamten Rohkakao exportieren, sondern im eigenen Land in ihrer eigenen Fabrik veredeln, ist außergewöhnlich, denn auf dem weltweiten Kakao- und Schokoladenmarkt läuft es normalerweise so:

Weltweit kultivieren über fünf Millionen Kleinbauern Kakao

In den Tropen Lateinamerikas, Westafrikas und Südostasiens produzieren vor allem Kleinbauernfamilien für den Export fermentierte und getrocknete Kakaobohnen. Diese werden an den Rohstoffbörsen in New York und London gehandelt, so dass Händler und Spekulanten das große Geld mit dem Rohkakao machen. Die Produzenten dagegen verdienen so wenig, dass sie kaum vom Kakaoanbau leben können. Nicht selten müssen deshalb Kinder zum Familieneinkommen beitragen. Auf den weltweiten Kakaofeldern sollen mehr als zwei Millionen Minderjährige tätig sein.

Weltweit beherrschen sieben Unternehmen die Kakaoverarbeitung und Schokoladenherstellung

Veredelt werden die fermentierten und getrockneten Kakaobohnen hauptsächlich in den Industrieländern. Zum einen gibt es Kakaoverarbeiter, die aus dem Rohkakao die Halbfabrikate Kakaomasse, Kakaobutter und Kakaopulver herstellen. Allein diese drei Konzerne verarbeiten zwei Drittel der Welt-Kakaoernte:

  • Barry Callebaut (Schweiz, 29 Prozent der Welternte)
  • Cargill (USA, 20 Prozent der Welternte)
  • Olam (Singapur, 18 Prozent der Welternte)

Zum anderen gibt es Schokoladenhersteller, die aus den Halbfabrikaten der Kakaoverarbeiter Schokoladentafeln, Schokoriegel, Pralinen, Hohlfiguren, Trinkschokoladen und Schokoaufstriche produzieren. Zusammen dominieren diese vier Unternehmen über 50 Prozent der Welt-Schokoladenproduktion:

  • Mars (USA, 18 Prozent der Weltproduktion)
  • Mondelēz (USA, 17 Prozent der Weltproduktion)
  • Nestlé (Schweiz, 11 Prozent der Weltproduktion)
  • Ferrero (Italien, 10 Prozent der Weltproduktion)

Vom Verkaufspreis einer handelsüblichen Tafel Schokolade gehen 70 Prozent an die Kakaoverarbeiter und Schokoladenhersteller. 24 Prozent erhält der Zwischen- und Einzelhandel. Den Kakaobauern kommen gerade mal sechs Prozent zugute!

1977 gründeten Kleinbauern in Bolivien die Kooperative EL CEIBO

Weil die Zwischenhändler vor Ort ihre fermentierten und getrockneten Kakaobohnen zu Niedrigstpreisen aufkauften, schlossen sich 1977 im tropischen Tiefland Boliviens Kleinbauern zur Kooperative EL CEIBO zusammen. Ihre Idee war es, ihren Rohkakao gemeinschaftlich zu vermarkten, und sie spezialisierten sich von Beginn an auf ökologischen Landbau. So konnte EL CEIBO eine Nische im hart umkämpften Schokoladenmarkt besetzen und exportierte 1988 den ersten bio-zertifizierten Kakao der Welt. Wichtige Handelspartner waren und sind Fair-Handels-Organisationen, darunter claro, die 1991 in der Schweiz mit Kakao von EL CEIBO die weltweit erste Fair-Trade-Schokolade produzierte. Heute gehören EL CEIBO 1.300 Kleinbauern an. Zwei von ihnen sind Remedios Tola und Roberto Garcia, die wir im August 2019 auf ihrer Bio-Finca besuchten.

Dank des Fairen Handels haben die Kleinbauern einen höheren Verdienst und vielfältige Sozialleistungen

„Wir bewirtschaften drei Hektar Land und bauen unsere Kakaobäume in Mischkultur an. Deshalb wachsen zwischen den Kakaobäumen Bananenstauden, Kokospalmen, Yucapflanzen und Heilkräuter. Momentan befinden wir uns in den Endzügen der Kakaoernte, die von Anfang April bis Mitte August dauert“, erzählte uns der 55-jährige Roberto, während er mit einer Gartenschere reife Kakaofrüchte von den Bäumen schnitt. In einer Frucht befinden sich 20 bis 50 Kakaobohnen, die herausgelöst und dann fermentiert werden müssen. Während ghanaische Kakaobauern die Bohnen zur Fermentation aufhäufen und mit Bananenblättern bedecken (Haufenfermentation), geben die bolivianischen Bauern die Bohnen in einen Holzkasten und decken sie mit Plastikplanen zu (Kastenfermentation). Egal, wie fermentiert wird, innerhalb sechs Tagen entwickeln die Kakaobohnen ihren typischen Schokoladengeschmack. Anschließend müssen sie noch fünf bis acht Tage in der Sonne getrocknet werden und es liegt Rohkakao vor! „Einen kleinen Teil der fermentierten und getrockneten Kakaobohnen konsumieren wir selbst. Ich bereite aus ihnen Trinkschokolade zu. Den großen Teil verkaufen wir zu einem richtig guten Preis an EL CEIBO. Von der Kooperative erhalten wir außerdem Fortbildungen, finanzielle Hilfe im Krankheitsfall, Schulstipendien für unsere Kinder, eine Rente ab dem 55. Lebensjahr und den Bono EL CEIBO. Der wird immer in der Weihnachtszeit ausbezahlt und ist unsere Beteiligung am Gewinn der Kakao- und Schokoladenfabrik“, ließ uns Remedios begeistert wissen.

Rohkakao wird in den heißen Tropen und Schokolade in den eisigen Anden produziert

Wie alle anderen Kooperativen-Mitglieder, so bringen auch Remedios und Roberto ihren Rohkakao ins nahe gelegene Tropendörfchen Sapecho, das sich in 410 Meter Höhe befindet und in dem EL CEIBO seinen Tieflandsitz hat. Hier wird geprüft, ob die Bauern ihre Kakaobohnen ordentlich fermentiert und getrocknet haben, bevor LKWs den Rohkakao über eine kurvig-steile Straße ins 240 Kilometer entfernte El Alto bringen. Die Millionenstadt liegt in den Anden in 4.150 Meter Höhe und ist Sitz der EL CEIBO Kakao- und Schokoladenfabrik. Dank stabiler Einnahmen aus dem Rohkakaoverkauf an Fair-Handels-Organisationen sowie mit Darlehen von Oikocredit und Unterstützung von Brot für die Welt konnten die Kleinbauern die Produktionsstätte bauen. Sie wurde 1987 eingeweiht und 1995 erweitert und wir durften sie mit ihrem zweiten Leiter David Cardenas besichtigen. „Wir haben ausländische Handelspartner, die bei uns Rohkakao kaufen, um ihn dann selbst in Europa, Japan oder Nordamerika weiterzuverarbeiten. Andere beziehen Halbfabrikate oder verkaufsfertige Schokoladentafeln. Je weiter die Veredelung, desto höher ist unser Verdienst“, erzählte David, während er uns vom Rohkakaolager in die Kakaoverarbeitung führte.

Kakaomasse, Kakaobutter und Kakaopulver sind Halbfabrikate

„Hier werden die fermentierten und getrockneten Kakaobohnen der Bauern gereinigt, geröstet, gebrochen und geschält, so dass zwei Produkte entstehen: Kakaoschalen, die man mit heißem Wasser überbrühen kann und die der Bio-Teehersteller YOGI TEA® aufkauft. Und Kakaonips, die wir mahlen, um Kakaomasse zu gewinnen“, dozierte David. Wir waren begeistert von den Röst-, Mahl- und Walzmaschinen, wobei uns ganz besonders die Fettpresse faszinierte. Kakaomasse besteht zu 54 Prozent aus Kakaobutter und zu 45 Prozent aus Trockenbestandteilen und beides trennt die Fettpresse voneinander. Die Trockenbestandteile werden zu Kakaopulver weiterverarbeitet und als wir da waren, verpackten elf Angestellte von Hand Kakaopulver für die deutsche Fair-Handels-Organisation EL PUENTE. Kakaomasse und Kakaobutter sind in warmem Zustand flüssig und erstarren beim Erkalten und alle zwei werden für die Schokoladenproduktion benötigt.

EL CEIBO Schokolade ist in Bolivien sehr beliebt

„Die Fabrik hat 100 Mitarbeiter und fast alle sind Söhne und Töchter von Kooperativen-Mitgliedern. Ich auch! Meine Eltern und Geschwister leben in einem kleinen Weiler nahe Sapecho und produzieren Rohkakao. Dank EL CEIBO konnte ich studieren und ich freue mich, dass ich in der Fabrik einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz habe“, so David. Er ging mit uns von der Kakaoverarbeitung in die Schokoladenherstellung, in der gerade kleine Schokoladentafeln mit gepopptem Amaranth produziert und schokoüberzogene Maisflips verpackt wurden. Den Großteil ihrer Schokowaren verkauft EL CEIBO innerhalb Boliviens. Exportiert wird lediglich Gourmet-Tafelschokolade, die es in fünf Geschmacksrichtungen gibt. Als der Kleinbauernverband in der Anfangszeit nur mit Rohkakao handelte, hatte er ausschließlich Kunden im Ausland. Dank der eigenen Schokoladenproduktion generiert EL CEIBO zwischenzeitlich 60 Prozent des Umsatzes in Bolivien und der Gewinn hat sich deutlich erhöht. Vor allem in den kühlen Höhen der Anden schätzen Einheimische und Touristen die schokoladigen Naschereien. Unten in Sapecho dagegen genießen die Kakaobauern nur selten ihre eigenen EL CEIBO Produkte. Da ist es nämlich so heiß, dass Schokolade einfach schmilzt!

Für die Herstellung von Schokolade benötigt man neben Kakao auch Zucker und Milch

In Deutschland ist die von EL CEIBO produzierte Gourmet-Tafelschokolade leider nicht erhältlich. Es gibt aber verschiedene Schokowaren, die mit Kakaomasse und/oder Kakaobutter der Kooperative hergestellt werden. Beispielsweise vermengt die deutsche Fair-Handels-Organisation GEPA bolivianischen Kakao von EL CEIBO, paraguayischen Rohrzucker von Manduvira und deutsche Milch der Molkerei Berchtesgadener Land zu köstlicher Naturland Fair zertifizierter Vollmilchschokolade. Bei allen drei Kleinbauernverbänden waren wir bereits zu Gast. Ein Kreis schließt sich!

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